Zwischen Beeren und Bieren. Mit Andreas Bourani.

17. Mai 2011 von admin

Aufgetischt: Weihenstephaner Kristall Weissbier, Berliner Kindl Bock, Burgensteiner Pils, Erdbeeren (D), Blaubeeren (E) und Himbeeren (E). Am Tisch: Andreas Bourani.

Andreas Bourani - Mit Beeren und Bieren

Es ist immer hübsch, einen Interviewtermin zu haben und zu wissen, dass die Kamera zuschaut, weil das einem Anlass gibt, mal wieder seine Wohnung aufzuräumen. Du bist jetzt frisch aus dem Studio zurück, hast die Aufnahmen zu deinem Album “Staub und Fantasie” soeben hinter dich gebracht – wie sieht es momentan bei dir daheim aus?

Bei mir herrscht absolut kreatives Chaos. Man könnte meinen, dort hätte eine Bombe eingeschlagen. Aber das Tolle ist, dass ich ganz genau weiß, wo ich was abgelegt habe. Deshalb regt es mich immer auf, wenn jemand etwas umstellt oder wegräumt.

Hast du jetzt Angst, in deine Aufnahmen zu hören und etwas zu entdecken, was du doch lieber anders gemacht hättest?

Nein, eigentlich nicht. Ich muss sagen, dass ich wirklich zufrieden bin mit dem Ergebnis. Das ist eine Platte, bei der ich sage: Das ist tatsächlich alles so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe, und da gibt es momentan keine Stelle, bei der ich denke, dass ich es lieber anders gemacht hätte. Wer weiß, vielleicht ist das in einem Jahr ganz anders. Aber für den Augenblick bin ich happy damit!

Ich kenne dein Album gar nicht komplett, weil die Version, die ich bekommen hatte, aus den neun Liedern bestand, die als erstes fertig waren. Gibt es irgendetwas, was dich auf den letzten Metern zum fertigen Album besonders glücklich gemacht hat?

Etwas Besonderes war, dass ich eigentlich nur zwölf Stücke für das Album geplant hatte, die auch so bereits fertig waren. Als ich mich dann allerdings an die B-Seiten für die Singles gemacht habe, ist der Text von “So leicht, so schwer” entstanden. Tatsächlich über Nacht und in einem Rutsch. Bei dem Song hatte ich gleich das Gefühl, der könnte das Album inhaltlich gut abrunden. Es hat sich dann gerade so ergeben, dass es noch möglich war, das Lied mit auf die Platte zu nehmen, da auch der Aufnahmeaufwand nicht so hoch war. Es ist eine Nummer, die einfach nur mit Klavier und Gitarre wunderschön funktioniert.

Bei den Texten deines Albums ist mir aufgefallen, wie positiv und optimistisch sie in ihren Aussagen sind.

Es ist schon so, dass in ihnen viel Zuversicht steckt. Das liegt einfach daran, dass ich jetzt schon sehr lang Musik mache und es eben auch eine Zeit gab, in der ich Zweifel hatte, ob das klappt mit meinem Ziel, meinem Traum, Sänger zu sein und sein zu dürfen. Da wurde zum Beispiel ein Album, das bereits aufgenommen war, nicht veröffentlicht. “Staub und Fantasie” ist eine Reise, auf die ich mich gemacht habe, bei der Hoffnung eine enorme Bedeutung hatte. Und auch die Entscheidung: Ja, ich gebe jetzt nicht auf.

Andreras Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Inwieweit ist eine Aussage, dass alles möglich sei, wenn man an sich glaubt, Trost oder reale Motivation?

Eigentlich beides – Trost und Motivation zugleich. Es geht um diesen Schritt, den Punkt: Macht man nun weiter oder stagniert man? Und es ist ja auch meistens nur ein ganz kurzer Moment, in dem dieser Punkt tatsächlich überschritten wird.

Und wann war es das letzte Mal, dass du den Gedanken hattest, dich noch einmal völlig umorientieren zu müssen?

Das ist lange her. Weil ich inzwischen nicht mehr so hohe Erwartungen habe. Ich nehme die Sachen viel gelassener hin und warte einfach mal ab, was passiert. Man kann das alles sowieso nicht planen oder kontrollieren.

Wollen wir uns dem ersten Bier zuwenden?

Andreas Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Unbedingt. Schaut alles sehr professionell aus. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen: Biere und Beeren passen ja eigentlich nicht so recht zu einander? Da würde man doch eher so etwas wie Salzstangen zum Bier anbieten …?

Das mit den Beeren hat sich phonetisch aufgezwungen. Aber es ist auch dieser Widerspruch zwischen vermeintlich gesunden Beeren und eher ungesunden Bieren, der für Klang sorgt. Vielleicht so wie bei deinem Albumtitel “Staub und Fantasie”, wenn ich die Frage zurück geben darf?

Nun, “Staub und Fantasie” – das ist ja ein Zitat aus dem Text von der ersten Single “Nur in meinem Kopf”. Diese Worte umschreiben das, was den Menschen ausmacht, das Geistige und das Physische. Es geht um die Einheit, die die diese beiden Begriffe bilden.

Wir gehen von außen nach innen vor und öffnen als erste Flasche das “Weihenstephaner Kristall Weissbier”.

Das ist aber leicht. Vielleicht, weil ich es so schaumig eingegossen habe?

Trotzdem sehr lecker. Weihenstephaner – machen die nicht auch Milch?

Schon wieder Gegensätze! Auf jeden Fall ist die Firma aus deiner alten Heimat. In dieser Interview-Reihe hatte ich jetzt übrigens schon recht viele süddeutsche Exilanten zu Gast …

Andreras Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Scheint ein Magnetpunkt zu sein, diese Stadt … Bei mir sind es jetzt seit drei Jahre in Berlin. Ich bin in Augsburg aufgewachsen und hab zwischendurch in München gewohnt, bin dann aber vor drei Jahren direkt in den Prenzlauer Berg gezogen und fühle mich da sehr wohl. Ich habe seither auch in keinem anderen Kiez gewohnt.

Ist Berlin nicht ein ungewöhnlicher Ort, um hoffnungsvolle Texte zu schreiben?

Ich habe Berlin nie als hoffnungslos erlebt. Eher im Gegenteil. Es ist natürlich schon so, wenn man auf dem Land aufgewachsen ist, dass diese Stadt eine Gewalt ist. Aber es ist auch so, dass mich das wahnsinnig inspiriert. Ich ziehe viel aus den Menschen, aus der Vielfalt und enormen Unterschiedlichkeit. Allerdings brauche ich zwischendurch auch die ländliche Ruhe und fahre dann raus. Außerhalb von Berlin gibt es ja massenhaft Grün. Der Wechsel von der Bewegung der Stadt zur Ruhe und Gleichgültigkeit der Natur – das ist für mich die größte Inspiration, die es gibt.

Was sind da so deine Lieblingsplätze?

Ach, ich war im letzten Sommer oft im Havelland. Aber ich habe da jetzt keinen Platz, an dem ich ständig bin – es ist ja gerade spannend, neue Orte zu entdecken. So ein Lieblingsplatz verleitet ja dazu, immer wieder dort hinzufahren. Der wird dann zum Tunnel, dass man nichts anderes mehr wahrnimmt.

Andreas Bourani - Mit Beeren und Bieren

Gibt es Lieder, die du noch genau mit einem Ort in Verbindung bringen kannst?

Also, “Glück” ist in einer großen Buchhandlung bei mir in der Nähe entstanden. Dort war ich vor einem Riesenregal, in dem nur diese Bücher übers Glücklichsein und Glücklichwerden standen. Ich fand es spannend, dass es anscheinend diese riesige Nachfrage gibt, dass dieses Streben nach Glück schon ein richtiger Wahn zu sein scheint. Und ich habe mich gefragt, was Glück eigentlich für mich ist und wo das stattfindet. Im Allgemeinen sind es aber eher Situationen und Momente, die eine Textidee entstehen lassen – weniger bestimmte Orte.

Andreas Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Wie oft kommt bei dir ein “Berlin – ich muss hier raus!”-Gefühl auf?

Also, das Gefühl kommt ganz oft, nur die Gelegenheiten sind in der letzten Zeit ein bisschen seltener geworden. Die Veröffentlichung der Single steht ja zum 20. Mai an und es passiert im Moment unheimlich viel. Da kommt mir ganz gelegen, dass es nun auch mit der Band immer mehr darum gehen wird, auf die Straße zu kommen und live zu spielen. Wir werden viel unterwegs sein. Und es liegt ja immer sehr viel Land zwischen den Städten – zum Durchatmen.

Die Band hat sich nun für die Studioaufnahmen formiert oder bestand die schon früher?

Nun, mit der Band ist es so: Der Bassist und der Schlagzeuger spielen gemeinsam bei Die Happy und wir sind schon sehr lange miteinander befreundet. Da hatte ich sofort den Gedanken, sie zu fragen, als die Songs fertig waren und der Plan bestand, dies alles auf der Bühne – aber auch im Studio – mit einer Band live umzusetzen. Es gibt ja nichts Schöneres als mit den Menschen zusammenzuarbeiten und Musik zu machen, mit denen man darüber hinaus gut befreundet ist. Mit dem Gitarristen der Band, Julius, habe ich die Songs des Albums geschrieben und es war eh klar, dass er auch live mit auf der Bühne stehen würde. Der Keyboarder wiederum ist ein alter Freund des Schlagzeugers aus Ulmer Zeiten. Da war die Band komplett. Und nun, ein Jahr später, sind das immer noch die gleichen Leute.

Die wohnen alle ebenfalls in Berlin?

Ja, die wohnen tatsächlich auch fast alle bei mir im Kiez.

Hast du im Prenzlauer Berg schon einmal etwas von den sagenumwobenen Anfeindungen gegen Süddeutsche oder Schwaben zu spüren bekommen?

Naja, ich bin ja nicht in Lederhose auf der Straße unterwegs. Es ist schon mal so, dass ich auf meinen Akzent angesprochen werde – der ja nur leicht, aber irgendwie rauszuhören ist. Allerdings bin ich deswegen noch nie geteert oder gefedert worden.

Ist vielleicht ja auch nur eine Mär, um das Thema Gentrifizierung in Bewegung zu halten …?

Ich habe sogar einmal gehört, dass diese ganze Anti-Schwabenbewegung von Schwaben erfunden sein worden soll. Dass das irgendwelche Leute aus Witz gestartet haben, weil so etwas unterschwellig in der Luft lag – und die das dann extra überzogen haben.

Interessante These: Die Ur-Berliner lassen für ihre Ressentiments sogar Gastarbeiter aus Schwaben arbeiten! Das finde ich gut. Bin mal auf die Kommentare gespannt!

Wir nehmen dies zum Anlass, zum Berliner Bier im Angebot zu wechseln: Berliner Kindl Bock.

Andreas Bourani - Mit Beeren und Bieren

Nun machen wir die gleiche Reise wie ich: Von Bayern nach Berlin. Ein dunkles Bier – ist schon mal gut.

Sehr malzig.

Ich finde, da passen die Erdbeeren ausgezeichnet zu.

Andreras Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Das halten wir dann doch schon mal als eine Favoritenkombination fest …! Ich habe gelesen, dass du in der Zauberflöte mitgespielt hast. Welche Rolle war das?

Ich war einer der Knaben. Ich habe damals ein musisches Gymnasium besucht und war im Stephaner Knabenchor, der öfter angefragt wurde für kleinere Rollen am Augsburger Stadttheater.

Jan Plewka von Selig hat in Berlin vor einiger Zeit mal den Papageno in einer U-Bahnstation gesungen. Schwingt bei dir der Wunsch mit, einmal wieder klassische Stücke zu singen?

Singen nicht. Aber ich höre nach wie vor sehr gern klassische Musik, besonders live. Das ist schon ein irres und faszinierendes Ding für mich, ein Orchester live zu erleben. Die Masse von Leuten, die sich zusammentut, und eine gemeinsame Richtung einschlägt. Die Energie, die da entsteht.

Deine Musik klingt rein instrumental betrachtet oft sehr englisch: Die verhallten Gitarren und Keyboards, aber auch der bisweilen falsettartige Gesang. Hat mich gleich an Bands wie Coldplay oder Keane erinnert.

Das sind natürlich Bands, die ich sehr gerne höre. Aber auch The Killers, U2 oder Phoenix. Es gibt auch einige Stimmen, die ich ganz großartig finde, wie Stevie Wonder, Leonard Cohen oder Seal – die inspirieren mich in gleicher Weise. Und die Sachen, die man gerne hört, beeinflussen ja auf jeden Fall auch die Musik, die man selber macht. Aber es ist vor allem ein Wechselspiel mit dem, was man als seine eigene Stimme empfindet. Zu der findet man gerade auch, wenn man Dinge nachspielt und -singt.

Ist dir schon einmal passiert, dass du beim Hören anderer Bands Formulierungen oder Textpassagen entdeckt hast, die du in ähnlicher Weise selbst benutzt hast? Ich fühlte mich bei den “weil du …”-Aufzählungen in “Wunder” überraschenderweise an Madsens “Lass die Liebe regieren” erinnert.

Ich glaube, dass es bei solchen Parallelen weniger um Formulierungen geht, sondern dass es tatsächlich an den Gefühlen liegt, die jeder auf gleiche Weise kennt und bereits erlebt hat. Bei derart offensichtlichen Emotionen liegt es auf der Hand, dass die schon jemand auf eine ähnliche Art und Weise beschrieben hat.

Andreras Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Gibt es Musiker oder Texter, die so weit ein Vorbild für dich sind, dass du sagen würdest, deren Art zu texten oder zu komponieren, wäre für dich ein Ideal, auf das du hinstreben möchtest?

Nee, auf keinen Fall. Es ist immer so gewesen, dass ich da nach Antworten in mir selbst suche und mir auch wichtig ist, mich in meiner eigenen Sprache auszudrücken.

Textlich beschäftigst du dich oft mit Gegensätzen – wie im Albumtitel – und stellst die Dinge mal von der einen, mal von der anderen Seite dar. Ist das ein Stilmittel des Albums?

Dualität ist etwas, mit dem man toll spielerisch umgehen kann. Ich selbst halte mich gerne in Extremen auf und es macht auch großen Spaß, zwischen den Gegensätzen zu pendeln. Weil ich auch jemand bin, der sich nicht gerne festlegt. Die Frage “Für was stehst du?” lässt sich oft für mich nicht so klar und eindeutig beantworten. Vermutlich geht es vielen so, dass man sich mal so und mal so fühlt.

Für mich stach der Text von “Eisberg” besonders hervor, weil du dich hier sehr dicht über den ganzen Song hinweg an einem einzigen Bild entlang bewegst. Kannst du dich noch erinnern, bei welcher Gelegenheit dir diese Metapher in den Sinn gekommen ist?

Da war ich in Berlin aus, ins Nachtleben eingetaucht – und wie das oft so ist: Man trifft eine Menge interessanter Leute und manche die weniger interessant sind. Ja, und da hatte mir jemand erzählt von all den tollen Projekten, die er bereits gemacht hat und was er gerade vor hat und wen er schon alles Großes getroffen hat … Da ertappte ich mich selbst dabei, wie ich in diesem Gespräch begann, etwas vorzugeben, das ich gar nicht bin, um da irgendwie mithalten zu können. Die Frage war dann für mich: Warum macht man das eigentlich – dieses Sich-Präsentieren und Glänzen-Wollen? Und es war dieses Gefühl, dass man nur 10% seiner Gesprächspartner zu sehen bekommt und die 90%, in denen all die kleinen Fehler und Schwächen stecken, gar nicht wahrnimmt, weil sie im Verborgenen gehalten werden. Für dieses Verhältnis gab es dann kein besseres Bild als eben das eines Eisbergs.

Mir scheint ja eine Tendenz, dass in Bereichen wie Comedy und Moderation – aber auch in der zeitgenössischen Literatur – derjenige am erfolgreichsten ist, der sich am bissigsten oder zynischsten darstellt. In der Musik wird dagegen momentan in den Songtexten, besonders bei deutschen Bands, der entgegengesetzte Weg eingeschlagen, werden eher hoffnungsvolle und positive Aussagen formuliert.

Das hat vermutlich einfach mit der Wirkung von Provokation zu tun. In der Musik ist es ohnehin nicht mehr leicht zu provozieren, so eine Ära ist irgendwie durch und das interessiert nicht mehr. Du schockst niemanden mehr so leicht und Provokation wird in der Musik auch nicht mehr gleich als innovativ wahrgenommen. Ich hätte momentan auch gar keine Idee, an welcher Stelle ich inhaltlich oder textlich provozieren sollte.

Andreas Bourani - Mit Beeren und Bieren

Gibt es kein Thema, bei dem du denkst, da würdest du gerne mit aller Macht draufdreschen?

Na, wenn es ein Thema ist, das mich interessiert, dann setze ich das eh um. Aber das würde die Art und Weise, in der ich das tue, nicht ändern. Man kann ja nur authentisch sein, wenn man die Dinge so macht, wie das mit seiner Geschichte und eigenen Erfahrungen im Einklang steht. Ich habe da keine wirkliche Idee oder ein Bedürfnis zu provozieren.

In “Nur in meinem Kopf” eroberst du in drei Sekunden die Welt. Was würdest du in dieser Zeit tun?

Gute Frage. Ich denke, als Künstler sollte man immer den Anspruch haben, etwas verändern zu wollen. Weil durch Veränderung Reibung entsteht und das ein Anlass ist, kreativ zu sein und Überraschendes zu verwirklichen. Aber mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen und anderen Veränderungen aufzwingen – das würde ich wohl doch nicht wollen. Das ist ja auch etwas, was ohnehin nicht funktioniert. Die schönste Veränderung wäre natürlich, wenn jeder machen kann, was er wirklich möchte und auch den Anderen sein Leben leben lässt.

Mal abgesehen davon, dass ja die übrigen Leute auf gleiche Weise in drei Sekunden die Welt erobern könnten … Aber wollen wir mal schauen, ob wir das letzte der Biere abschaffen würden, wenn wir die Kontrolle über die Welt hätten. Das ist jetzt ein wenig der Außenseiter in der Auswahl.

Wir prosten uns mit Burgensteiner Pils zu.

Aha … Das sind jetzt aber drei sehr unterschiedliche Biere!

Da bist du der erste, der das sagt. Wir trinken ja immer drei verschiedene Biere und befinden meist, dass man keinen großen Unterscheid herausschmeckt.

Andreras Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

Aber so hacke könnt ihr doch gar nicht gewesen sein?! Das letzte ist auf jeden Fall ein Bier, das man austrinken muss, so lange es kühl ist. Sonst ist es nach der Hälfte unerträglich.

Das zeichnet dich als einen Kenner aus! Denn es ist mit Abstand das günstigste Bier, das in dem Getränkemarkt zu finden war. Lag preislich sogar noch unter dem Sternburger, das ja immer als billigstes Bier in Berlin gilt.

Wobei günstig ja nicht immer gleich schlecht heißen muss. Nun, in dem Fall … Aber der Kontrast von den süßen Früchten kommt überraschend gut, muss ich sagen. Hilft drüber hinweg.

Andreras Bourani - Zwischen Beeren und Bieren

 

Zwischen Beeren und Bieren. Mit Bosse (Teil 2).

25. Februar 2011 von Frank

…weiter geht’s: Mit Bosse zwischen Beeren und Bieren, Teil 2.

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Mir ist bei deinen Texten aufgefallen, dass sie sehr undistanziert sind – im Gegensatz zu anderen, insbesondere Hamburger Bands, die gerne über Ironie oder Intellektualität einen Abstand zu den Themen schaffen, über die sie singen. Ich finde es selbst auch angenehmer und passender, sich über Witz und formale Aspekte weniger angreifbar zu machen. Du aber nicht?”

“Wenn ich texte, schreibe ich immer total viel. Da entsteht dann ziemlich viel Masse, auch viel Blödsinn und auch vieles, das distanzierter ist. Ich entscheide mich am Ende aber immer für das Ehrlichste, Direkteste und Nächste, weil ich die Sachen so beschreiben möchte, wie ich es tun würde, wenn ich jemanden komplett ernst nehme, direkt auf den Punkt. Das kam eigentlich auch mit den Jahren – obwohl ich mir das nie bewusst vorgenommen habe. Aber es geht dann natürlich auch immer um die Frage: Wie dicht kann ich gehen und wann mache ich es wieder kaputt?”

“Einige Worte scheinen mit soviel Bedacht ausgewählt, dass ich den Eindruck hatte, der Text hätte sich um dieses eine Wort geschrieben. Gibt es solche Worte, die sozusagen den Ursprung eines Textes ausmachen? Und sammelst du solche Worte, die für dich eine bestimmte Aura von Bedeutung haben?”

“Eigentlich nicht. Aber “Wartesaal” war zum Beispiel so ein Wort – das fand dich toll und mit dem Reim “warten mal” strickte sich auch der übrige Text drum. Dann kommt es so, dass der gesamte Text über dieses eine Wort ein Gesicht erhält, sich zusammensetzt und fertig wird. Aber normalerweise ist es bei mir anders: Dass ich ein Gefühl habe und dann erst einmal ohne fertigen Plan oder Ziel losschreibe. Und prägnante Worte entstehen dann plötzlich irgendwie mit dem Gefühl, dass sie die Sache besonders gut auf den Punkt bringen. So ein Ausdruck wie “die labbrigen Kartoffeln” in “Die Regie” kam vermutlich erst am zweiten Tag des Textes, weil ich lange danach gesucht hatte, wie ich dieses Gefühl klarmachen könnte, wenn man in so einem Flugzeug sitzt und es länger geht als Hamburg – Berlin.”

“Genau an diese Kartoffeln hatte ich gedacht … Es gibt aber auch andere Worte, die mich in dem jeweiligen Text aufmerken ließen, zum Beispiel auf einmal das Weizenbier im “Wartesaal”.”

“Findest du das verstörend? Das empfanden ein paar Leute so – habe ich eigentlich nie verstanden.”

“Ja, weil du an der Stelle so konkret wirst. Vorher ist alles ja sehr atmosphärisch und unbestimmt – und dann taucht plötzlich nicht nur ein Bier auf, sondern gleich eine bestimmte Sorte. Das ist dann mehr, als ich in dem Moment erwarten würde.”

“Ich hatte da wirklich ein Bild vor Augen, von einem Typen, der über seinem Weizenglas hinwegdöst. Und das hat eben genau die Höhe und Breite, dass es mit dem Kopfabstützen passt! Das ist ein Bild, das ich tatsächlich so einmal in der Deutschen Bahn aufgeschnappt habe. Ich fand das tierisch, weil der Typ da auch einen guten Halt gefunden hat.”

“Das hätten wir heute hier natürlich gleich selbst ausprobieren können. Stattdessen haben wir hier noch ein Thailändisches Bier zum Test!”

“Das riecht ein bisschen chemisch – vielleicht abgelaufen?”

“Nee, das gilt noch.”

“Schmeckt wirklich reichlich schlechter als die anderen. Sieht auch etwas brackig aus, so ohne Kohlensäure. Hast du das mal mit dem Hasseröder gegengetrunken?”

“Puh … Gut, jetzt haben wir endlich mal einen richtigen Unterschied rausgeschmeckt.”

“Praline und Hanuta.”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das mit deiner Band richtig begriffen habe – sind das feste Mitglieder?”

“Die Konstellation ist eigentlich einfach: Ich habe vier Leute, mit denen ich seit Beginn zusammen spiele, also seit es Bosse gibt – aber noch mal vier Leute, die da sind, um zu spielen, wenn die anderen nicht können. Wir haben einen Mailverteiler, mit dem angefragt wird, wer wann kann oder für wen einspringen kann. Nur ich muss immer können.”

“Und da gibt es dann keine Konflikte? Liebt man da als Mutter der Band alle Kinder gleich?”

“Mir – und auch allen anderen – ist die zweite Besetzung wirklich genauso lieb. Wir sind einfach neun Leute, die sich richtig gut verstehen, so dass es egal ist, wer da mit wem spielt. Hauptsache, einer der Alternativen kann, weil sonst trete ich auch nicht auf. Aber es ist eben kein festes Bandkonstrukt, wo jeder können muss. Sonst hätte ich auch schon zu viel absagen müssen. Die Musiker haben auch ihre anderen festen Projekte – die zum Teil fester sind als das Bosse-Konstrukt. Aber so muss man sich organisieren, wenn man Solo-Künstler ist.”

“Ich habe im Vorfeld einigen Leuten erzählt, dass ich für ein Interview nach Berlin zurück muss – und die Reaktion war immer so ein “Ja, den Namen kenne ich! Aber hilf mir mal kurz, wer das ist!”. Was würdest du sagen, welchen Song man nennen müsste, bei dem die meisten sagen würden: “Ach, der ist das!”?”

“Es gab jetzt nicht so den Überhit, der überall im Radio gelaufen wäre, dass es jeder mitbekommen hätte. “3 Millionen” ist eine Nummer, die in Berlin sehr oft von Radio 1 gespielt wurde, bei der ich denke, die könnte man dann auch in Cottbus kennen, aber ich kann nicht einschätzen, wie das über die Landesgrenzen hinaus ankam. Ich hab’ da das Land nicht so im Griff. Aber von den Youtube-Klickzahlen ist wohl “3 Millionen” der Song, zu dem man schon einmal getanzt haben könnte, ohne zu wissen, von wem der eigentlich ist.”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Als erste Single von “Wartesaal” erscheint jetzt “Weit weg” – ist das für dich auch ein zentraler Song vom Album? Oder hast du da andere beziehungsweise wechselnde Favoriten?”

“Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, jeweils zu notieren, was ich verspürt habe, als ich einen Song zum ersten Mal richtig gehört habe. Weil dieser Eindruck sehr schnell verfliegt, wenn man das Lied im Studio und beim Abmischen hundertmal hintereinander gehört hat. Bei “Weit weg” war es so, dass es mich echt gekickt hat, als ich den Song fertiggestellt hatte, weil er das repräsentierte, was ich mit dem neuen Album erreichen wollte: Nämlich tanzbare Musik zu machen, bei der man trotzdem die Augen schließen kann, um sich wegzubeamen. Aber für so eine Single-Entscheidung hole ich mir schon Rat von außen. Und da habe ich dann neben Leuten von der Plattenfirma so meine zehn Leute, auf deren Urteil ich vertraue.”

“Dann bräuchten wir noch ein Urteil von dir zu den Beeren und Bieren. Beim Bier ist es das Tsingtao, oder?”

“Ja, das ist ganz gut. Bei den Beeren sind es die Physalis. Die sind besser, als ich gedacht hätte.”

“Sind vielleicht auch die einzigen Beeren, die gerade wirklich Saison haben und am Frankfurter Bahnhof zu bekommen waren. Dort gibt es übrigens keinen Wartesaal, der dem entsprochen hätte, den ich mir beim Hören deines Songs vorgestellt hätte.”

“Wie hätte der denn ausgesehen?”

“Wahrscheinlich so, wie er in Leipzig mal war, bevor er ein Modegeschäft wurde.”

“An den musste ich auch zwei-, dreimal denken. Den fand ich wirklich toll. Wir haben bei dem Videodreh von “Weit weg” in Tokio ein paar echt schöne Wartesäle gesehen. Gibt es schöne Fotos von, aber es war mir dann zu platt, das für das Video zu nutzen.”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Hier scheinen die Wartesäle eher auszusterben, befürchte ich.”

“Es gibt so dörfliche Regionen, wo es sie wirklich noch gibt, mit schicken Wandbeleuchtungen – also nicht diese Raucher-Kältekammern und neumodischen Glasbauten.”

“Vielleicht können wir diesen Blog ja dazu nutzen, hier mal eine Bestandsaufnahme zu machen. So wie die Vogelbeobachter. Ein Aufruf an die Leser, alle Vorkommen schöner Wartesäle zu melden. Wäre doch ‘ne Aufgabe.”

“Ja, mal schauen, was passiert.”

Und als sichere Alternative gibt es das Bosse-Album “Wartesaal”. Ab dem 25. Februar.

Zwischen Beeren und Bieren. Mit Bosse (Teil 1).

17. Februar 2011 von Frank

Aufgetischt: Hasseröder, Tsingtao, Chang, Erdbeeren (Marokko), Blaubeeren (Kolumbien) und Kapstachelbeeren (Chile). Am Tisch: Axel Bosse.

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

Ein mit  Unterstützung der Deutschen Bahn etwas unter Zeitdruck erstandenes Bier-Repertoire aus einem Asia-Markt im Frankfurter Hauptbahnhof. Von 54 Minuten Wartezeit in der DB Lounge verbringe ich 45 Minuten mit dem “Wartesaal” von Bosse:

“Ja, ich habe mir dein Album auf der etwas länger geratenen Fahrt nach Berlin angehört und es als sehr schönes Reisealbum empfunden. Nun kommen auch recht viele Worte wie fliegen und unterwegs sein in den Songs vor – ist das Thema Reise ein Konzept des Albums?”

“Das hat letztens ein Freund von mir auch so vermutet, aber eigentlich ist es eher so, dass die Personen in den Songs an bestimmten Punkten angekommen sind – im Wartesaal, auf den Roboterbeinen – sie suchen vielmehr einen Ausweg aus dem Leben, das sie vermutlich schon einige Jahre so führen. Das hat natürlich immer auch mit Bewegung zu tun, aber ich würde nicht sagen, dass das Reisen an sich ein Thema dieses Albums ist.”

“Vermutlich lag es daran, dass ich selbst gereist bin, während ich es gehört habe. Für mich blitzte das Thema an allen Ecken und Enden auf. Mag aber sein, dass ich behaupten würde, es sei ein Album übers Essen, wenn ich stattdessen dabei gekocht hätte. Vielleicht holen die Songs einen einfach gut ab – egal, was man grad so treibt …”

“Also, mein letztes Album “Taxi” – das ist in der Tat ein Reisealbum. Da geht es die ganze Zeit ums Verschwinden und Fahren – und das finde ich beim neuen Album gar nicht. In einem Lied wie “Weit Weg” ist weniger eine Bewegung drin, als dass man sich ganz ruhig und mit geschlossenen Augen wegbeamt.”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Zumindest ein Reiseziel wäre ja mit “Frankfurt Oder” vertreten. Das ist ein älterer Song, den du für “Wartesaal” noch einmal neu aufgenommen hast. Wieso wolltest du das?”

“Mein zweites Album stand unter einem ziemlich schlechten Stern, weil die EMI damals aufgekauft worden war und von den ganzen Leuten, mit denen ich dort eng zusammengearbeitet hatte, nur zwei übrig geblieben waren. Innerhalb dieser Produktion bildete man also ein völlig neues Team und es war irgendwie recht schnell zu sehen, dass da keine richtige Begeisterung mehr aufkam. Wir haben uns dann einvernehmlich zur zweiten Single getrennt – aber es wäre so gewesen, dass die Rechte dieses Stücks “Frankfurt Oder” sieben bis zehn Jahr bei der EMI geblieben wären. Ich habe mich bei den Vertragsauflösungen sehr um dieses Stück bemüht und es mir letztlich zurückgekauft. Im Grunde hätte es bereits auf “Taxi” veröffentlicht werden können, aber es erschien mir damals noch etwas zu früh, das Stück wieder neu aufzunehmen. Jetzt beim vierten Album hatte ich auf einmal Lust auf eine Mischung von elektronischen Elementen, verzerrtem Cello, Flügelhörnern und Trompeten – und plötzlich lag es auf der Hand, “Frankfurt Oder” zu remixen.”

“Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Anna Loos?”

“Ich habe Anna Loos vor ein paar Jahren auf einer Geburtstagsfeier kennengelernt und seither war ausgemacht, dass wir gerne mal etwas gemeinsam machen wollten. Dann hatte ich also diesen 4totheFloor-Remix von “Frankfurt Oder” mit Flügelhorn und so, war aber immer noch auf der Suche nach einem triftigen Grund, den Song neu zu veröffentlichen – und dann habe ich Anna gefragt. Und jetzt ist der Song wieder da.”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Nun, ich kenne die Sachen, die Anna Loos mit Silly macht, wirklich nur aus der Zeitung und muss sagen, dass ich mir die Stimme von ihr komplett anders vorgestellt hätte. Mir schwebte da so etwas Rockröhrenartiges vor. Wusstest du, als du mit ihr damals gesprochen hattest, wie ihre Stimme klingt?”

“Eigentlich nicht. Ich kannte zwar ein paar ältere Sachen von ihr – zu irgendeinem Film hatte sie mal zwei Songs aufgenommen – da klang sie aber noch einmal anders, als sie das nun bei Silly tut. Mir war aber auch klar, dass sie bei mir anders singen würde als bei Silly. Weil Anna diese Passagen doch mehr so mit links singen kann – und das war es letztlich auch, was ich mir davon versprochen hatte. Ich mag es gern, wenn sich Leute nicht so anstrengen beim Singen und ganz entspannt dabei sind. Und ich glaube, ihr selbst gefällt es auch ziemlich gut, was dabei herausgekommen ist und dass ihre Stimme in diesem Stück ganz anders klingt. Eher so, dass man eher jemanden wie Suzie von Klee dahinter vermuten würde.”

“Ja, ich hätte auch auf jemanden von einer neuen Deutschpopband getippt.”

“Aber ich finde, so jung und sexy ihre Stimme klingt – auf der anderen Seite klingt sie auch etwas mütterlich. Und diese Mischung mag ich total gerne. Ich höre ihrer Stimme auf “Frankfurt Oder” wirklich supergerne zu.”

“Das Ergebnis hat mich auf jeden Fall völlig überrascht. Wenn ich vorm Hören des Songs davon erfahren hätte, dass du Anna Loos eingeladen hast, hätte ich gedacht, dass das vom Musikalischen her nie und nimmer die Richtige sein könne – und vermutet, dass du halt irgendwen Auffälliges mit im Boot haben wolltest.”

“Ja, verstehe. Wobei – zu der Zeit, als wir die Sachen aufgenommen haben, war sie eigentlich noch gar nicht so berühmt oder mit der Silly-Sache präsent. Mir fällt es bei Menschen, die ich schon länger kenne, ohnehin schwer einzuschätzen, wie berühmt die denn eigentlich wirklich sind. Das hat sich tatsächlich einfach so ergeben …”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Bei welcher Gelegenheit schreibt man einen Song über Frankfurt/Oder?”

“Auf La Gomera. Ist schon lange her, aber an manche Momente kann man sich ja ewig erinnern: Das war nach einer Whale-Watchingtour, die ich meiner Frau zur Hochzeit geschenkt habe. Keine Wale gesehen – und ihr war kotzübel. Zuhause hab’ ich mich dann abends rangesetzt – und einen guten Moment gehabt. Es war ein Durchlauf: Ich hab angefangen zu schreiben, dann angefangen zu spielen und nach gefühlten dreizehneinhalb Minuten war das Ding fertig. Ich hab’s auf dem Rechner aufgenommen und gedacht: Alles klar, das ist ‘n Hit!”

“Whale-Watching auf La Gomera ist aber nicht die naheliegendste Parallele zu Frankfurt/Oder?”

“Aber es geht in dem Lied ja darum, dass es egal ist, wo man gerade steckt – dass es vielleicht sogar noch besser ist, wenn man an einem Ort ist, wo es eher weh tut, weil es einem dort noch mehr auffällt, wie gut das Miteinander ist und dass man Bock hat, das alles gemeinsam hinzukriegen. Und das kam in diesem Urlaub zustande. Gemein, was?”

“Gemein auch für Frankfurt/Oder. Warst du dort schon einmal?”

“Ja, klar. Ich habe da sogar Vorfahren: Meine Oma kommt aus der Gegend und wir hatten da einen riesigen Reiterhof, wo ich früher oft war. Meine Frau ist ja auch Frankfurterin, Frankfurt am Main, aber so kam bei mir im Gehirn vielleicht diese Mischung, dass ich gleich gedacht habe: Frankfurt/Oder, dort ist es so trist, dass es für den Song passt. Damals vor allen Dingen, mittlerweile geht es ja sogar.”

“Ich finde Frankfurt/Oder ganz lauschig.”

“Ich auch! Ich war letztens erst da und eigentlich ist es dort wirklich schön. Ich sage das auch extra jedes mal, obwohl ich den Song auch schon mal als “Lied für eine schöne Frau und eine hässliche Stadt” ankündige. Das muss dann ganz schnell wieder revidieren. Die Stadt ist natürlich keine Perle, aber hat irgendwie Herz.”

“Es gibt auch noch ein schönes Lied über Frankfurt/Oder von Sebastian Krämer. Da wird ähnlich viel Alkohol getrunken wie bei dir. Schnapskonsum scheint eine gängige Assoziation mit der Stadt zu sein.”

Gelegenheit für uns, neben dem Tsingtao-Bier auch der festen Nahrung auf dem Tisch unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Dreimal Obst, dessen Name das Wort “Beere” enthält, wobei die eine Sorte doch eher als “Physalis” bekannt ist und von Axel Bosse kritisch untersucht wird.

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Kann man die hier essen?”

“Ja, natürlich. Die haben normalerweise so einen Blätterkram drum …”

“So ein Salbeikränzchen?”

“Genau. Aber das schien mir zu unfotogen, deshalb hab’ ich das abgemacht. Bei den Erdbeeren sehen die Blätter ja gut aus, aber …”

“Stimmt, das ist dann immer so ein grauer vertrockneter Haufen.”

“Hat mich allerdings gerettet, dass die auch “Kapstachelbeere” genannt werden, weil sich das mit dem Beerenangebot diesmal ziemlich schwierig gestaltete. Ist ökologisch auch weniger gut vertretbar, was wir hier gerade verzehren. Kolumbien, Chile, Marokko, Bier aus Fernost. Und eine Flasche aus dem Harz.”

“In der Biokiste wäre jetzt vermutlich nur Kohl. Habt ihr die auch in Berlin?”

“Ja. Das sind dann die Leute, die nach zwei Wochen im Schutze der Nacht ihre Rapunzel und Rote Beete entsorgen müssen, weil man nicht weiß, was man damit anstellen soll. Was sagen wir zu dem chinesischen Bier? Wenn wir überhaupt hierzulande Bier dazu sagen dürfen – es ist etwas Reis drin, steht hier.”

“Ich find’ es ganz lecker! Lässt sich leicht wegtrinken. Stört nicht beim Bügeln, sagt man, oder?”

“Sagt man das? Mache ich ab jetzt gerne.”

“Aber bei Bier ist es bei mir so: Wenn es kalt ist, ist es ok.”

“Wir kommen bei dieser Interviewreihe eh immer zum Ergebnis, dass alles gleich egal schmeckt.”

“Ja, oder? Könnte auch ein Beck’s sein. Mit ‘nem bisschen Reis halt.”

Zwischen Berren und Bieren - Bosse

“Vielleicht kann uns das Hasseröder einen spürbaren Geschmacksunterschied bescheren? Vom Namen her und mit diesem Auerhahn auf dem Etikett müsste es ja etwas markiger sein.”

“Ist zumindest mehr Sprudel drin. Aber schmeckt nicht doll anders!?”

“Hm. Schmeckt genauso. Aber ist ja auch viel hin- und hergereist: von Wernigerode nach Frankfurt am Main und jetzt wieder nach Berlin. Vielleicht ist das Bier grad etwas orientierungslos.”

“Wernigerode kenne ich. Ich bin ja Braunschweiger und war früher oft im Harz, auf dem Brocken und so, da kommt übrigens auch Hans Hartz her.”

“Die weißen Tauben sind müde …?”

“Genau. Die Mutter vom Schlagzeuger meiner ersten Band war später mit Hans Hartz zusammen, das war dann also so etwas wie sein Schwiegervater.”

“Du stehst zwar noch als Braunschweiger bei Wikipedia – wohnst aber jetzt in Hamburg?”

“Ja, das mit Braunschweig hält sich – und soll ja auch nicht weg! Ich hab’ seither allerdings erst sechs Jahre in Berlin gewohnt und jetzt eben in Hamburg, zwischendurch auch ein Jahr in der Türkei und ein halbes Jahr in Spanien. Da kommt zurzeit einiges durcheinander und die Leute ordnen mich mal als Berliner, mal als Hamburger ein. Aber ich bin in Braunschweig geboren.”

“Beim Singen hörst du dich übrigens schon sehr hamburgerisch an!”

“Findest du? Als Braunschweiger spricht man ja eigentlich recht klares Hochdeutsch, aber wenn man’s einfärbt, orientiert man sich eher nach Norden als nach Hessen oder Süden. Vielleicht gewöhnt man sich das auch an – müsste man mal gegenhören zum ersten Album, als ich noch gar nicht in Hamburg gewohnt habe.”

“Vom Berlinerischen scheint mir dagegen wenig übrig zu sein. Wie ist das, wenn du heute wieder nach Berlin kommst: Gibt es da Orte, die du bei jedem Besuch wieder aufsuchst? Die für dich einen Berlin-Besuch rund machen?”

“Ja, das sind zwei Punkte, die ich immer ansteuere – vor allem Sachen, die mich mehr so kulinarisch erfreuen. Zum einen ist das dieser Hähnchengrill am Görlitzer Park, den ich tierisch finde. Der wahrscheinlich auch völlig abwrackmäßig ist, aber das sind gute Jungs. Da habe ich früher immer als Abschluss des Abends morgens so einen Broiler gegessen – und da komme ich auch jetzt nicht dran vorbei, weil ich auch immer recht viel in der Ecke zu tun habe. Und ansonsten bin ich häufig an der Sonntagsstraße und an den Plätzen, wo ich früher gewohnt habe, um zu sehen, was sich so verändert hat. Und das tut es sich ja andauernd.”

Teil 2 dieses Interviews mit vielen Einsichten über die Entstehung der Bosse-Songtexte und Vorkommen von Wartesälen folgt am 25. Februar – zur Veröffentlichung vom neuen Album “Wartesaal”.

5 Fragen beantwortet von Bosse

17. Januar 2011 von admin

Was ist dein Lieblingsgetränk in einer Bar?
Campari Maracuja. Alle Gin Tonic Trinker nennen mich Mädchen, aber ich komme da nicht drumrum…

Gibt es eine Hoffnung, die du aufgegeben hast?
Das mein kleiner notgeiler Dackel irgendwann auf seinen Namen hört, wenn er heiss ist…
Und er ist leider fast immer angestrengt heiss. Ist da eine hübsche Hündin, greift er Dobermänner an und überquert Autobahnen. Der Typ ist ein hoffnungsloser Fall.

Hältst du dich für einen guten Freund?
Auf jeden.

Wo würdest du am liebsten leben und warum?
Ich leb sehr gerne da wo ich grad lebe…

Gibt es neben der Musik noch eine andere Kunstform, die du ausübst?
Nee. Vielleicht Kochen. Habe mir grade 40 verschieden Chilisorten im Netz bestellt. 

Jetzt hier – Das neue Video “Weit weg” von Bosse
Als ersten Vorgeschmack auf das neue Album “Wartesaal”, verschenkt Bosse jetzt hier den Song “Yipi” in einer Akustikversion

Bosse

5 Fragen beantwortet von Henrik Roger, Ghost Of Tom Joad

22. Dezember 2010 von Rainer

Was ist dein Lieblingsgetränk in einer Bar?
Aperol Spritz. Letzten Sommer in Italien für mich entdeckt und jetzt erkannt das alle Prosecco Mädchen schon da drauf umgestiegen sind. Egal, ich liebe dieses Zeug.

Gibt es eine Hoffnung, die du aufgegeben hast?
Dass ich es schaffe meine Haustür nicht mehr dreimal zu checken ob ich die abgeschlossen habe. Ich plane jetzt immer schon 10 Minuten extra am Tag für sowas ein.

Hältst du dich für einen guten Freund?
Ich habe mir bei unserem letzten Videodreh über zehn Stunden lang den Arsch abgefroren und das alles für meine Band. Wenn ich kein guter Freund bin dann weiß ich auch nicht….

Wo würdest du am liebsten leben und warum?
Hauptsache ich habe Wifi und fünf Balken dann kann ich überall leben.

Gibt es neben der Musik noch eine andere Kunstform, die du ausübst?
Ich habe mich letztes Jahr mal daran versucht was für ein Kochbuch zu schreiben. Das Buch ist bis jetzt immer noch nicht erschienen. Soll mir vermutlich sagen: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Das neue Album “Black Musik” erscheint am 25.02.2011.
Jetzt hier reinhören

Henrik Roger, Ghost of Tom Joad

NY-Premiere für Sportfreunde Stiller – Zum ersten Mal im Big Apple

8. November 2010 von Florian

Und in Kürze folgt: Fotos vom ersten Konzert im wirklich echten New York.

Sportfreunde Stiller in New York
Sportfreunde Stiller in New York

Zwischen Beeren und Bieren. Mit Sven Regener.

6. Oktober 2010 von Frank

Aufgetischt: Astra Rotlicht, Beck’s Alkoholfrei, Creola, Erdbeeren (B), Brombeeren (NL) und Himbeeren (P). Am Tisch: Sven Regener.

Eine schöne ABC-Kombination von Bieren zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. Elf Uhr morgens erschien zunächst als ein Termin, der noch nicht so recht zum lustvollen Biertest einladen wollte. Folglich stand auch zum ersten Mal ein alkoholfreies Bier auf der Speisekarte dieser Interviewreihe und man war sich einig, das insbesondere die sechsprozentige Astra-Rotlichtausgabe an diesem Morgen reine Dekoration bleiben würde. Wie dann doch noch alle Flaschen unterkamen, kann hier nachgelesen werden:

“Erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass ihr mit “Immer da wo du bist bin ich nie” in Bezug auf Goldene Schallplatten in Serie gegangen seid! In meinem Flur hängt immer noch die Goldene Schallplatte von “Mittelpunkt der Welt”. Das war in den knapp zehn Jahren, in denen ich Band-Homepages betreut habe, übrigens die einzige, die dem Webmaster verliehen wurde. Freue ich mich immer noch sehr drüber.”

“Ich habe damals darauf gedrungen, dass auch die Online-Leute berücksichtigt werden, weil klar war, dass wir als Band, die wenig bis gar keine Singlehits hat, auf gute Promo angewiesen sind und dass auch Online bei uns ein wichtiger Aspekt ist, der entsprechend gewürdigt wird. Es gibt ja Langspielplatten, deren Wohl und Weh ausschließlich davon abhängt, ob ein Hit drauf ist oder nicht. Bei Element of Crime ist das ein bisschen anders. Das ist ein Sonderstatus, den man sich über die 25 Jahre erspielt hat, und der den Promotern harte Arbeit bereitet, die andererseits aber auch sehr lohnenswert ist, weil sich da interessante Artikel und Feature ergeben können – auch bei Medien, in die man sonst vielleicht seltener gelangt. Vom Punk-Fanzine und überregionalen Tageszeitungen bis hin zu Frauenzeitschriften ist da letztendlich alles möglich. Und du kannst dich wundern, was du dabei noch erlebst! So ähnlich ist das ja mit den Online-Sachen auch: Wir haben dort immer sehr gezielt und frühzeitig viel gemacht, und deshalb wissen wir auch, wie wichtig das ist.”

“Euer Internet-Auftritt hat ja eine überwältigende Konstanz. Ich bin nach meiner Zeit bei Universal ein ganzes Weilchen nicht mehr auf eurer Seite gewesen, habe jetzt natürlich wieder reingeschaut und gedacht: Ja, das erkenne ich alles wieder!”

“Wenn man Änderungen vornimmt am Design, sollte man das sehr, sehr behutsam machen. Es ist einfach ein großer Fehler der Leute zu glauben, dass sie mit den Komplett-Relaunches ihrer Seiten irgendeinen Blumentopf gewinnen. Die wirklich erfolgreichen Webseiten machen das nicht. Da wird ganz behutsam hier und da ein bisschen was verändert, dass man es eigentlich kaum merkt. Unsere Seite ist nun mal in erster Linie eine Seite für Leser, für Leute, die nicht nur Knöpfchen drücken wollen, sondern ein Interesse daran haben sich zu informieren. Da wäre es einfach nervig, wenn man ständig neue Designhöllen-Erfindungen verarbeiten müsste, obwohl man nur ein paar Informationen finden will. Das hat auch alles mit einem spezifischen Charakter von Element of Crime zu tun. Ich habe jetzt eine Auswertung gesehen, dass es keine andere Webseite von einer Band gibt, die eine so hohe Verweildauer und -tiefe hat. Weil die Leute nicht gleich wegklicken, sondern die Sachen auch wirklich lesen. Es gibt da ja einige längere Texte…”

“…die nach wie vor von dir selbst geschrieben werden, nehme ich an?”

“Ja, natürlich. Das liegt in der Natur der Sache. Es wäre doch wirklich zu doof, bei einer eigenen Website das andere Leute schreiben zu lassen.”

“Gleichwohl nicht unüblich…”

“Element of Crime ist eine Band, die es sich nicht leisten könnte, für so etwas sozusagen einen Pressesprecher zu engagieren. Wir denken, dass unsere Leute den Anspruch haben, dass wir ihnen als Band gewisse Sachen anbieten. Es muss sich eine Einheit ergeben aus dem, was wir als Promo machen, und dem, für das wir sonst inhaltlich stehen. Denn bei Element of Crime geht es natürlich um Inhalte, das darf man einfach nicht vergessen. Alles andere ist Schnickschnack. Wenn die Band mehr ein Pop-Phänomen wäre, könnte man alles auch anders sehen und sagen: Das machen wir nicht selbst – kann doch auch jeder andere schreiben, wann der Tour-Vorverkauf beginnt. Aber bei Element of Crime ist das nicht ganz so, ohne dass ich das jetzt superernst nehmen will.”

“Auch wenn sich Eure Website immun gegen schnelllebige Online-Trends zeigt, hast du dich doch recht frühzeitig beim Thema Blogs engagiert.”

“Ich bin ein sehr aktiver Blogger – fast so, dass es schon wieder peinlich ist. Allein das Wort Blogger ist ja so hässlich, dass man es gar nicht in den Mund nehmen möchte. Aber ich habe viele Blogs geschrieben. Und die werden im Frühjahr nächsten Jahres auch als Buch erscheinen – mitsamt den Bildern im Galiani-Verlag. Und das wird ein richtig gutes Buch. Wobei es natürlich sehr hilft, dass es immer zeitlich begrenzte Blogs waren. Bei einem Buchmessenblog über fünf oder sechs Tage kann man sich sicher sein, dass in der Zeit auch wirklich etwas passiert und man ein Thema hat. Man schreibt nicht einfach so in den Tag hinein.”

Ein Anruf reißt uns kurz aus dem Gespräch und ich erkläre derweil Vertigo-Rainer, ziemlich müde zu sein, weil ich noch in der Nacht aus Verden an der Aller zurückgekehrt sei. “So ein Kaff in Niedersachsen” ordne ich die ihm unbekannte Stadt soziogeographisch ein und rufe prompt Protest hervor:

Diesen Beitrag weiterlesen »

5 Fragen beantwortet von Jan Plewka, Selig

22. September 2010 von Rainer

Was ist dein Lieblingsgetränk in einer Bar?
Wodka Mule

Gibt es eine Hoffnung, die du aufgegeben hast?
Nein!

Hältst du dich für einen guten Freund?
Frag meine Freunde!

Wo würdest du am liebsten leben und warum?
In Italien… wegen dem Leben an sich

Gibt es neben der Musik noch eine andere Kunstform, die du ausübst?
Telefonkrizzeleien

Jan Plewka, Selig

Email supreme: Fragen für Wetten, dass…?

6. September 2010 von Rainer

Email supreme! Das  sind die stärksten Botschaften an Vertigo.fm. Und es werden mehr.

Ich habe vor, mich bei Wetten, dass…? zu bewerben. Meine Idee: um die 200 bis 1000 Fragen zu The Rasmus, die ich beantworten kann. Und jetzt möchte ich euch um Unterstützung bitten! Ich habe bis jetzt 94 Fragen, aber das ist meiner Meinung nach noch zu wenig, das kann jeder TR-Fan beantworten. Meine Bitte an euch: schreibt mir Fragen zu TR, wenns geht mit Antwort, damit ich auf die 200 bis 1000 Fragen komme.

Wenn ich es dann bis zu Wetten, dass…? schaffe, werde ich euch auch in der Show dafür danken, dass ihr mir geholfen habt, auch wenn es nur eine Frage ist!

Danke im Voraus

Element of Crime: Gold für “Immer da wo Du bist bin ich nie”

25. August 2010 von Rainer

Wird das im Hause Element of Crime jetzt Usus, dass Studioalben mit Gold ausgezeichnet werden? Tendenziell ja. ”Mittelpunkt der Welt” von 2005 hatte Pi mal Daumen zwei Jahre gebraucht, um den Status zu erreichen. Mit “Immer da wo Du bist bin ich nie” viertelte man die Zeit, um gleiches zu erreichen. Wer viertelte die Zeit? Die Frage ist leicht beantwortet, denn die “Goldene Schallplatte” ist ein Auszeichnung für Verkaufzahlen. Der Dank für die Vergoldung des Werdegangs von Element of Crime geht demnach an ein überzeugtes Publikum, das bereit ist, einen Longplayer tatsächlich käuflich zu erwerben. Okay Fans, die Band hat es euch aber auch leicht gemacht. Brilliantes Album.

“Gold” freut alle Beteiligten. Leute, die an der Produktion beteiligt waren und nicht zuletzt die Band selbst. Am mild sommerlichen Abend des 23. August traf sich die Bagage in der schönen, neuen Berliner Location “Rio Grande”, deren Spree-Terasse zum Plausch mit lecker Essen und Trinken einlud. Perfekt. Und natürlich, der Preis! Der wurde selbstverständlich auch noch verliehen! Beweisfoto ”Gruppe nach Übergabe” anbei.