Eigentlich ein guter Gedanke, bereits am zweiten WM-Tag eine erste Auszeit vom einlullenden Testton des Sommers zu nehmen und dem Vuvuzela-Grundrauschen etwas kompakt portionierte Live-Beschallung entgegenzusetzen.
Das Festivalmotto “Die neuen DeutschPoeten” schien zwar eine dubiose Kategorie, die in meiner Wunschliste neu zu etablierender Musikgattungen nicht vor Platz 700 auftaucht, aber das Line-Up war respektabel. Und außerdem stand die Frage im Raum, wie sich Madsen trotz der verletzten Hand von Mannschaftskapitän Sebastian auf der Bühne präsentieren würden.
Doch vordem lockte die Ablenkung: Der Eingang zum Konzertraum im Astra wurde links außen von einem Doppelpack TV-Bildschirme flankiert, das einen fortwährend daran erinnerte, dass ja Fußball-WM ist. Und, schlimmer noch, ein paar Schritte weiter wartete das 11 Freunde-WM Quartier mit Großleinwand. Kurzum: Erbarmungslose Bedingungen für Bands, die nicht per se auf unsere uneingeschränkte Blutsbrüdertreue hoffen können. Bereits nach wenigen Takten tauschte ich mit Vertigo-Rainer einen “Eher nich, oder?”-Blick aus, um wieder hurtig ins Vuvuzela-Dröhnen einzutauchen.
Deshalb allein ein Wort zu Madsen (denn ansonsten wüssten wir wohl nur über die Ähnlichkeiten von US-Fußballern mit gewissen Größen der Pop-Szene daherzuseiern oder tollpatschige Grapschbewegungen bedauernswerter Torwarte nachzustellen): Madsen sind sehr groß geworden. Im Grunde genommen schon zu groß für die Bühne des Astra, auf der der Bewegungsdrang der Akteure seltsam eingepfercht wirkte. Vermutlich ist da zurzeit OpenairStage-Größe Mindestanforderung.
Kein Wunder, weil neben dem Platz für den grundsoliden Ersatzgitarristen auch noch einiger Raum benötigt wird, den Sebastian Madsen in seiner Rolle als instrumentloser Frontmann ausspielt. Natürlich wünschen wir ihm schnellstmöglich unbeschwerte Vollbeweglichkeit bis in die letzte Faser seiner malträtierten Hand, aber so ganz ohne Gitarre – das hatte schon eine zusätzlich erfrischende Entertainment-Komponente. Nicht nur wegen des Wassers, das von Sebastian großzügig über das aufnahmebereite Publikum und Digitalkameras verteilt wurde.
Gleiches Lob gilt den Stücken vom “Labyrinth”-Album, deren Hymnentauglichkeit und Mitsingqualitäten sich doch erst live vollends offenbaren. Alle Sorge, die ab und an am Verschwurbelten nippenden Songs des neuen Albums könnten die raue Inbrunst des Gesamteindrucks trüben, kehrte sich ins Gegenteil um. Die Ausflüge zu den bereits ausgemachten Hits der Band waren zur Stimmungssteigerung gar nicht mehr zwingend vonnöten, sondern lediglich willkommene Dreingabe.
Fazit des Abends: 90 Minuten Unentschieden, 60 Minuten Sieger. Unterm Strich sehr unterhaltsam.







